Die meisten Menschen stellen sich beim Stehen die Füße instinktiv parallel nebeneinander. Ballett-Tänzer und Soldaten im Wachdienst tun dies dagegen bewusst nicht: Sie stellen die Fußspitzen leicht nach außen, sodass die Füße ein „V" bilden. Dieser scheinbar kleine Unterschied kann eine erstaunlich große Rolle für die Statik des gesamten Körpers spielen.
Ein einfacher Selbstversuch
Stellen Sie sich für einen Moment gerade hin, Füße parallel. Die meisten Menschen verlagern dabei ihr Gewicht spürbar auf den Vorfuß, die Zehen krallen sich leicht ein. Stellen Sie die Füße anschließend bewusst in die V-Position: Häufig lässt sich beobachten, dass sich die Schultern nach hinten ziehen, der Brustkorb sich öffnet und das Gewicht sicherer auf der Ferse ruht – dort, wo der Körper eigentlich für dauerhaftes Stehen konstruiert ist.
Was mit dauerhafter Vorfußbelastung zusammenhängen kann
Steht der Körper überwiegend auf dem Vorfuß, spannt sich die Muskelkette von der Plantarsehne über die Wadenmuskulatur bis in den Oberschenkel und das Becken an. In der Praxis von Dr. Sielmann wird diese dauerhafte Fehlbelastung häufig im Zusammenhang mit Beschwerden wie Hallux valgus, Vorfußschmerzen (Morton-Syndrom), Fersensporn, nächtlichen Wadenkrämpfen oder auch Restless-Legs-Beschwerden diskutiert. Ob und in welchem Maß die eigene Fußstatik daran beteiligt ist, lässt sich nur individuell beurteilen.
Der Zusammenhang mit der Beinlängendifferenz
Ein einseitiger Hallux valgus tritt nach den Beobachtungen aus der Praxis auffällig oft am funktionell längeren Bein auf. Der Hintergrund: Eine Verdrehung im Kreuzdarmbeingelenk (ISG) kann zu einer funktionellen Beinlängendifferenz führen, wodurch sich ein Fußgewölbe stärker absenkt und der Vorfuß auf dieser Seite stärker belastet wird. Mehr zum Zusammenhang zwischen Beckenstatik und Beinlänge lesen Sie in unserem Beitrag zur Beinlängendifferenz.
Warum Einlagen allein oft nicht ausreichen
Schuheinlagen setzen meist am Symptom an, nicht an der zugrunde liegenden Statik. Wird der Vorfuß dauerhaft überlastet, kann eine Einlage die Ursache nicht beheben. Aus diesem Grund wird in der Sielmann-Methode zunächst die Körperstatik analysiert, bevor über einzelne Maßnahmen wie Tape-Anlagen nachgedacht wird.
Fazit
Die bewusste V-Stellung ist kein Ersatz für eine fundierte Statik-Analyse, kann aber ein einfacher erster Selbstversuch sein, um ein Gefühl für die eigene Gewichtsverteilung zu bekommen. Wer wiederkehrende Beschwerden an Füßen, Knien oder im unteren Rücken hat, sollte die Körperstatik fachkundig untersuchen lassen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt kein Heilversprechen dar. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Diagnose. Bei bestehenden Fußfehlstellungen oder anhaltenden Schmerzen sollte immer ärztlicher oder fachtherapeutischer Rat eingeholt werden.