Kinesiologisches Tape für Knie, Oberschenkel und Fuß

Autor des Artikels: Dr. med. Dieter Sielmann
Artikel veröffentlicht unter: 2. Okt 2026
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Ob beim Laufen, Wandern, Treppensteigen oder bei intensiven Sportarten: Beine und Füße tragen Tag für Tag die gesamte Last des Körpers. Besonders die Gelenke und Sehnenstrukturen von Knie, Sprunggelenk und Achillessehne sind dabei hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt. Ein fachgerecht angelegtes kinesiologisches Tape kann die Gelenkführung unterstützen, die Eigenwahrnehmung (Propriozeption) schulen und eine spürbare Entlastung im Bewegungsalltag bieten.

1. Besonderheiten bei der Anwendung an den unteren Extremitäten

Bei Taping-Anlagen an Beinen und Füßen gibt es einige spezifische Faktoren zu beachten:

  • Präzise Vordehnung der Gelenke: Beine und Füße befinden sich im Alltag in ständiger Dynamik. Umso wichtiger ist es, das jeweilige Gelenk während des Aufklebens genau in die vorgesehene Dehnposition zu bringen (z. B. 90°-Beugung des Knies oder Anheben der Fußspitze).
  • Starke Beanspruchung berücksichtigen: Durch die Reibung von Hose, Socken oder Sportschuhen sowie durch verstärktes Schwitzen lösen sich die Enden an den Beinen schneller ab. Das Abrunden der Tape-Ecken ist hier besonders wichtig.
  • Haarentfernung: Für einen guten Hautkontakt und ein angenehmeres Entfernen sollten die Beine vorab sanft rasiert oder gestutzt werden.

2. Schritt-für-Schritt: Unterstützung für das Kniegelenk (Patellanlage)

Die Kniescheibe (Patella) und die darunterliegende Patellasehne werden bei Biege- und Streckbewegungen stark gefordert. Diese klassische Y-Tape-Anlage rahmt die Struktur ein und unterstützt die Führung der Kniescheibe.

Benötigtes Material:

  • 1 Y-Tape (Länge: von der Mitte des Oberschenkels bis kurz unterhalb des Kniescheibenansatzes)
  • Optional: 1 kurzes I-Tape für die Patellasehne

Durchführung:

  1. Ausgangsposition: Die Person sitzt auf einem Stuhl oder einer Bank und beugt das Knie in einen stabilen 90°-Winkel, um die Oberschenkelmuskulatur und das Kniegelenk vorzudehnen.
  2. Basis/Anker setzen: Die Basis des Y-Tapes wird ca. 4–5 cm unterhalb der Kniescheibe (auf Höhe des Schienbeinhöckers / Tuberositas tibiae) völlig dehnungsfrei festgeklebt.
  3. Zügel um die Kniescheibe führen: Der innere Zügel des Y-Tapes wird mit geringem Zug (ca. 25 %) um die innere Kontur der Kniescheibe herum nach oben geführt, der äußere Zügel ebenso mit geringer Spannung um die äußere Kontur. Beide Zügel treffen oberhalb der Kniescheibe auf dem Oberschenkel zusammen und laufen dort dehnungsfrei aus.
  4. Optionale Zügelfixierung: Ein kurzes I-Tape kann bei Bedarf mit mittlerem bis starkem Zug quer direkt unterhalb der Kniescheibe über die Patellasehne geklebt werden (Enden wie gewohnt ohne Zug).
  5. Anreiben: Das Tape wird in der 90°-Beugung gründlich angerieben.

3. Schritt-für-Schritt: Achillessehne und Wadenmuskulatur

Die Achillessehne ist die stärkste Sehne des menschlichen Körpers. Überbelastungen beim Laufen oder Springen führen hier häufig zu Reizempfindungen.

Benötigtes Material:

  • 1 langes I-Tape (von der Fußsohle bis kurz unter die Kniekehle)
  • 1 kurzes I-Tape (Querstreifen)

Durchführung:

  1. Ausgangsposition: Die Person liegt bauchlings auf einer Liege (oder sitzt) und zieht die Fußspitze aktiv maximal an (Dorsalflexion / 90°-Winkel im Sprunggelenk), sodass Wade und Achillessehne auf Spannung stehen.
  2. Längsstreifen anbringen: Der Anker des langen I-Tapes wird auf der Fußsohle unter der Ferse ohne Dehnung angebracht. Das Tape wird mit geringem bis mäßigem Zug (ca. 25–50 %) über die Ferse und direkt entlang der Achillessehne nach oben über den Wadenmuskel geführt. Das obere Ende läuft unterhalb der Kniekehle dehnungsfrei aus.
  3. Querstreifen setzen: Das Trägerpapier des kürzeren I-Tapes wird in der Mitte aufgerissen. Der Streifen wird mit mittlerem Zug quer über den empfindlichsten Punkt der Achillessehne oder den Sehnenansatz geklebt. Die seitlichen Enden werden ohne Spannung auf der Haut fixiert.

4. Schritt-für-Schritt: Oberschenkelvorderseite (M. quadriceps)

Ob nach langen Bergabpassagen oder schnellen Antritten im Sport: Der große Oberschenkelstrecker benötigt manchmal gezielte Unterstützung.

Benötigtes Material:

  • 1 langes Y-Tape (oder 2 I-Tapes)

Durchführung:

  1. Ausgangsposition: Das Bein wird im Kniegelenk maximal gebeugt (z. B. im Stehen die Ferse zum Gesäß führen oder im Sitzen weit anwinkeln), um die Oberschenkelmuskulatur vorzudehnen.
  2. Anlage: Der Anker des Y-Tapes wird im Hüftbereich/oberen Oberschenkel dehnungsfrei fixiert. Die beiden Zügel werden mit leichtem Zug entlang des Muskelbauchs nach unten in Richtung Kniescheibe geführt und umrahmen das Muskelareal. Die Enden laufen oberhalb des Kniegelenks ohne Zug aus.

5. Pflegetipps für lange Haltbarkeit an Beinen und Füßen

  • Socken vorsichtig anziehen: Socken beim Anziehen über das getapte Areal rollen, statt sie darüberzureiben, um ein Umknicken der Tape-Kanten zu vermeiden.
  • Trockentupfen nach dem Duschen: Nach dem Sport oder Duschen das kinesiologische Tape mit einem Handtuch nur sanft trocken tupfen, nicht reiben.
  • Keine Föhnwärme: Das Tape nicht mit heißer Föhnluft trocknen, da der Acrylkleber sonst zu stark erweichen und Hautirritationen verursachen kann.

Wichtige Sicherheitshinweise

  • Nicht auf offene Wunden, frische Verletzungen oder stark gereizte Haut anbringen.
  • Bei Jucken, Brennen, Rötung oder Unwohlsein das Tape umgehend entfernen.
  • Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder physiotherapeutische Beratung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden an Knie, Oberschenkel oder Fuß wenden Sie sich an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Therapeutin bzw. einen Therapeuten.

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